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Wenn Jugendliche und Politiker gemeinsame Sache machen

13.04.2015

Die Alpenstädte des Jahres haben Jugendbeteiligung zuoberst auf ihre Agenda gesetzt. Über den Austausch mit BürgermeisterInnen hat auch das Jugendparlament zur Alpenkonvention den Sprung in die Öffentlichkeit geschafft. Was entsteht, wenn Jugendliche und PolitikerInnen zusammen arbeiten.

Ein sonniger Oktober 2014 in Idrija. Am Standrand steht die Burg "Gewerkenegg", gebaut in der Zeit des frühen Quecksilber-Abbaus. Aussen die Wände weiss gekalkt, innen barocke, reich in Gelb verzierte Arkaden. Ein halbes Jahrtausend lang prägte die zweitgrösste Quecksilbermine der Welt das beschauliche Städtchen im Westen Sloweniens. 2011 erhielt Idrija die internationale Auszeichnung "Alpenstadt des Jahres" für den geglückten Wandel von der Bergbaustadt zu einem Zentrum für Hightech und Nachhaltigkeit. Die staatliche Anerkennung "jugendfreundliche Gemeinde" folgte 2014.

Jugendbeteiligung für mehr Nachhaltigkeit
In der Burg treffen an jenem 18. Oktober Tradition auf Moderne, Lokales auf Internationales und Jugend auf Politik. Rund 30 BürgermeisterInnen, GemeinderätInnen und Mitarbeitende kommunaler Verwaltungen aus dem gesamten Alpenraum sind zur Mitgliederversammlung des Vereins "Alpenstadt des Jahres" nach Idrija gekommen. Die Delegierten tauschen sich darüber aus, wie sie ihre jeweilige Stadt enkeltauglich machen, und setzen über die sprachlichen und geografischen Grenzen der Alpen hinaus gemeinsame Projekte um. "Die Beteiligung von Jugendlichen ist ein Schlussstein in der nachhaltigen Entwicklung", so Thierry Billet, Präsident des Vereins "Alpenstadt des Jahres" und Vizebürgermeister der französischen Stadt Annecy. Denn Nachhaltigkeit heisst, dass die folgenden Generationen dieselben Möglichkeiten haben wie die vorausgehenden. "Wir wollen daher möglichst gemeinsam mit den Jugendlichen planen und entscheiden."

Faule Jugendliche, taube Politiker?
Das war nicht immer so. Jugendbeteiligung hatte lange Zeit keinen besonderen Platz auf der Agenda des internationalen Netzwerks der Alpenstädte. Dann kam das Jugendparlament zur Alpenkonvention (YPAC). Es tagte 2013 in Sonthofen, ebenfalls "Alpenstadt des Jahres". Die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA, die das YPAC und die Alpenstädte fachlich begleitet, hat kurzerhand beide zusammengebracht: Die 90 Jugendlichen des Parlaments und die Alpenstädte hatten sich für 2013 ein gemeinsames Motto gegeben: "Meine Alpenstadt der Zukunft - Forderungen der Jugend zur nachhaltigen Entwicklung alpiner Städte im Sinne der Alpenkonvention". Formate wurden entwickelt, um Vorurteile ab- und Vertrauen aufzubauen. Im Anschluss an die parlamentarische Simulation in Sonthofen besuchten Jugendliche und Politiker sich gegenseitig. "Aus einem Spiel entstand ein Forum, in dem wir mit jenen, die Entscheidungen treffen, unsere Vorstellungen über die Alpen und ihre Städte aushandeln können", so Katharina Pfitscher aus Meran/I.

Ein Jugendparlament in jeder Alpenstadt
In den niedrigen, gewölbten Sälen der Burg in Idrija sassen im Oktober 2014 daher auch zehn Delegierte des YPACs. Sie nahmen an der Mitgliederversammlung teil, um ihre Forderung an die Politik zu bringen: Jede Stadt in den Alpen soll ein eigenes Jugendparlament haben. "Wir haben auf Augenhöhe diskutiert und wir haben Unterstützung für unsere Anliegen bekommen", so Florian Czarnowski aus Rosenheim/D. Zukünftige Kandidaten für den Titel "Alpenstadt des Jahres" müssen auf Anregung der Jugendlichen jetzt angeben, wie es in der Stadt um ein Jugendparlament steht. Dass auch Beteiligung gelernt sein will, weiss Ingrid Fischer, Vizebürgermeisterin in Sonthofen/D. Die bayrische Kommune hat seit beinahe 20 Jahren ein Jugendparlament mit Rederecht im Stadtrat. "Was heute ein Vorzeigemodell ist, funktioniert nur, weil die Stadt die Schreibarbeiten erledigt, dem Gremium ein eigenes Budget zuteilt und die Jugendlichen einbezieht, wenn sie von einem Projekt betroffen sind."

Beteiligung ausprobieren
Die Alpenstädte des Jahres Idrija in Slowenien sowie Bolzano und Trento in Italien wollen von den Sonthofener Erfahrungen profitieren. Anfang 2014 haben sie, motiviert durch die Zusammenarbeit mit dem Jugendparlament und der CIPRA, mit "youth shaping alpine municipalities" (YSAM) ein eigenes Projekt gestartet. Junge Menschen, JugendarbeiterInnen und PolitikerInnen aus den Partnergemeinden besuchen sich nun gegenseitig, stellen vor, wie junge Menschen mitentscheiden und wo diese Einbindung sichtbar wird. Anfang 2015 werden Jugendliche in ihrer Gemeinde selbst Verantwortung für ihr Anliegen übernehmen und Erwachsene Macht abgeben. Erste Ergebnisse des Projekts wurden den Delegierten der Alpenstädte und des YPACs bei der Mitgliederversammlung in Idrija vorgestellt. Mit dabei: Vier SchülerInnen aus Idrija, die in einem Kurzfilm zeigten, was ihren Heimatort als Alpenstadt ausmacht. Da ist die Mine, der Stadtplatz und die grünen Hügel, die Idrija fest umschliessen. Eine Totale über die Stadt mit ihrer barocken Burg beendet den Clip.

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Jugendparlament zur Alpenkonvention YPAC
Das Jugendparlament zur Alpenkonvention wurde 2006 vom Akademischen Gymnasium Innsbruck ins Leben gerufen und findet seither jedes Jahr in einem anderen Alpenland statt. Zuletzt war das YPAC 2013 in Sonthofen und 2014 in Chamonix, beides "Alpenstädte des Jahres" zu Gast. Eine Gruppe von Teilnehmenden arbeitet als "Zukunftsplattform" über die eigentliche Session hinaus an der Bekanntmachung und Umsetzung der Forderungen. Zum Beispiel bringen sie sich an der Mitgliederversammlung der Alpenstädte ein. Ermöglicht wird das YPAC unter anderem durch das EU-Programm "Jugend in Aktion".

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